Bei dieser Reihe handelt es sich nicht um Darkfantasy mit Romance und Spice im Fokus. Hier dreht sich alles um Magie, Aktion, Mystik und Wesen aus Parallelwelten, die in Lissabon ihr Unwesen treiben. Natürlich gibt es auch ein wenig Romance und vielleicht auch mal ein wenig Spice in den folgenden Bänden, aber das steht in dieser Serie auf keinen Fall im Mittelpunkt. Der Schwerpunkt dieser Serie liegt auf den Mythen und der Geschichte dieser uralten Stadt, wo bereits die Phönizier eine Siedlung hatten. Sie und all die nachfolgenden Kulturen brachten ihre Götter und Dämonen mit. Und obwohl die Menschen längst verschwunden sind, leben diese Wesen hier weiter.
Magie und Mystik sind der Motor, der die Serie antreibt. Im Mittelpunkt steht Gil de Vidal, ein Lebenskünstler und eigentlich ein Antiheld. Er ist Exorzismusmagier und hat seine Gabe und die Aufträge, die er deswegen bekommt, reichlich satt. Doch von seiner Sorte gibt es nicht mehr viele, und wer soll den Job sonst erledigen? Dabei gibt es eine Menge für ihn zu tun. Untote treiben ihr Unwesen, übernatürliche Kreaturen aus Parallelwelten streifen nachts durch Lissabons Straßen und führen nichts Gutes im Schilde. Zum Glück unterstützen ihn andere Magier bei seinen Missionen, bei denen es häufig um nichts Geringeres geht, als die Welt zu retten.
In dieser Serie gibt es noch den Templerorden, der seit Jahrhunderten im Untergrund weiterexistiert hat. Seine Mitglieder sind nun Kampfmagier und haben es sich zur Aufgabe gemacht, dunkle Mächte in dieser Welt zu bekämpfen. Wo sie nicht weiterkommen, beauftragen sie Gil de Vidal, der einst einer der ihren war. Gil erhält dabei Hilfe von seiner Schwester Sara, Leiterin einer geheimen Eliteeinheit für paranormale Angelegenheiten, seinem Freund Gabriel, einem kiffenden brasilianischen Schamanen, dazu Hakim, einem Magier und Barbesitzer mit arabischen Wurzeln, und nicht zuletzt seinem geheimnisvollen Major Domus Richard.
Im Bett lag ein nackter Mann auf der Seite, den Rücken mir zugewandt, und schnarchte leise. Sein Haar schimmerte im Dämmerlicht silbern, um die Hüften hatten sich einige Fettpolster breitgemacht und der Hintern war platt und faltig, wie bei einem Menschen, der den größten Teil seines Lebens auf einem Bürostuhl verbracht hatte. Ich schätzte den Mann auf Ende fünfzig, auch wenn das unter diesen Lichtverhältnissen nur eine grobe Schätzung war. Ich wunderte mich ein wenig, dass er keine Bettdecke über den Körper gezogen hatte, denn durch eine offenbar vorhandene Klimaanlage war es im Raum recht kühl. Doch dieser Gedanke rutschte gleich wieder zur Seite, da etwas anderes meine Aufmerksamkeit weitaus mehr auf sich zog: Um seinen Kopf herum glomm eine Aura, wie nur ich als Exorzist sie bei von Dibbuks Besessenen wahrnehmen kann. Diese hier ließ mich allerdings für einen Moment stutzen. Leuchteten die Auren von Dibbuks normalerweise blau, strahlte diese hier in einem hellen Violett. Zwar hatte ich mein Zielobjekt, den Bankier Luis Alfonso da Sousa, offenbar gefunden, doch irgendetwas stimmte hier nicht. Trotzdem musste ich meinen Job erledigen.
Mit der rechten Hand zog ich den Bannstock hinter dem Rücken hervor, nahm den Toröffner vom Gürtel in die Linke und ließ den Mann dabei nicht eine Sekunde aus den Augen. Der rührte sich nicht und schnarchte weiter. Das war gut, doch ich musste vorsichtig sein. Dibbuks waren äußerst gerissen und dieser hier leuchtete obendrein sonderbar.
Ich vergewisserte mich ein letztes Mal, dass im Haus alles ruhig war und mein Ziel keine ungewöhnlichen Bewegungen machte oder auffällige Geräusche von sich gab. Dann schob ich mit dem linken Ellenbogen die Tür vollständig auf und betrat das Zimmer.
In der Hoffnung, die Prozedur diesmal ohne Komplikationen und für den Mann einigermaßen schmerzlos über die Bühne zu bringen, richtete ich den Bannstock auf ihn und sprach leise meinen Exorzismus Spruch:
„DISCEDITE CORPUS, QUOD HABETIS. VADE ET REVERTERE AD MUNDUM MORTUORUM.“ – Weiche aus dem Körper, von dem du Besitz ergriffen hast. Geh und kehre zurück in die Welt der Toten.
Die Harpyie an der Spitze des Bannstocks begann blaugrün zu glühen und entsandte einen Lichtstrahl in derselben Farbe, der den Bankier am Rücken traf.
„DICEDITE AB EO, DISCEDITE!“, fuhr ich fort und betrachtete aufmerksam, wie der Körper des Mannes reagierte, immer in der Erwartung, die Prozedur abrupt abbrechen zu müssen.
Und plötzlich gab es ein Problem. Die Seele erhob sich wie beabsichtigt aus dem Körper, aber sie widersetzte sich mit aller Macht der bindenden Magie des Bannstocks, was normalerweise nicht passierte. Und nicht nur das. Für gewöhnlich erscheinen Dibbuks außerhalb ihrer Wirtskörper nur als kornblumenblaue, wolkige Schemen. Dieses Exemplar hier glomm intensiv violett und besaß die scharf umrissene, dreidimensionale Gestalt eines alten Mannes. Ein Gefühl, dass etwas kurz davor ist aus dem Ruder zu laufen, stellte sich bei mir ein und zog an meinen Magenwänden. Ich schluckte.
Die Erscheinung war hager und nackt. Ihre bleichen Haare fielen wie Spinnenfäden über die Rippen, die sich deutlich unter der Haut auf dem Brustkorb abzeichneten. Die Arme und Beine waren zwar dünn und sehnig, strahlten aber eine Kraft und Ausdauer aus, wie sie bei Marathonläufern zu beobachten ist. Eintätowierte, lateinischen Sprüche überzogen den gesamten Oberkörper bis hinunter zum Intimbereich. Schon das alleine wirkte befremdlich, doch das gleißende Augenpaar, das mich voller Hass anstarrte und die vor Zorn entblößten messerscharfen Zähne, jagten mir einen äußerst unangenehmen Schauer über den Rücken.
Was, bei allen Heiligen, war hier los? Dies war kein normaler Dibbuk, so viel war klar und aus den Abgründen meines Verstandes kroch eine Ahnung empor. Ich hatte so eine Erscheinung schon einmal gesehen, nicht real, sondern als Abbildung in einem uralten Folianten in der Bibliothek meines Vaters, und ich begriff sofort, dass ich es hier mit einem überaus mächtigen Gegner zu tun hatte. Ich würde meine gesamte magische Kraft aufbringen müssen, wenn ich diese Seele in den Griff bekommen wollte. Dies war kein normaler Fall von Exorzismus mehr. Einen irren Moment lang schoss mir der Gedanke durch den Kopf, dass ich mit Sara das Honorar nachverhandeln sollte, doch ich fokussierte mich sofort wieder auf mein tödliches Gegenüber.
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